Japanisch Grillen | Grillbücher Rezensionen

 

Jonas Cramby

An diesem Buch gibt es so viel zu kritisieren, dass ich mein letztlich dennoch positives Fazit ausnahmsweise vornan stelle: „Japanisch Grillen“ ist ein sehr sehenswertes Buch mit tollen Fotos, es steckt eine gute Portion Fleiß darin und wenn man sich etwas Mühe gibt, man kann durchaus auch einiges an Brauchbarem mitnehmen.

Menschen die das Leben nicht ganz so mag werden oft Blogger. Blogger teilen der Welt Dinge mit die die Welt nicht braucht und verdienen deshalb in aller Regel auch kein Geld mit ihrem Tun. Um dennoch ihre Miete bezahlen zu können gehen Blogger nebenher arbeiten oder schreiben Bücher, die aber nur dann erscheinen, wenn man sich vorher entsprechend profiliert hat. Blogger-Profilierung entsteht meist weniger durch herausragendes Wissen oder Engagement als durch außergewöhnliche Themenwahl plus Lautstärke. Jonas Cramby ist Food-Blogger…

Was dieses Buch dennoch aus der Unzahl jener Blogger-Bücher heraus hebt ist die tatsächlich interessante Thematik und der Umstand, dass unser junger Schwede wirklich eine ganze Menge Fakten zusammen getragen hat. Für grill-affine Ehrgeizlinge & Halbwissen-Spezialisten, also etwa ¾ aller Männer im Zielgruppenalter ist dieses Buch deshalb ein kleines Eldorado – bietet es doch mehrere Dutzend Halbsätze mit denen sie im Kreise der anderen Überflieger ausgezeichnet schwadronieren können – asiatisch kommt immer gut und wenn man ganz beiläufig auch noch ein Laotse-Zitat vom letzten Kalenderblatt einstreut ist das welterfahren-exotische Image perfekt…

Japanisch Grillen Jonas Cramby

Aber im Ernst… Japan hat nach den USA die höchste Dichte an Fast-Food-Läden, ein Drittel der Japaner ist übergewichtig, die meisten Menschen leben in Großstädten und kaufen fertiges Essen… Japan ist längst kein Land mehr in dem sorgfältig auf das Essen und dessen Zubereitung geachtet wird – also muss man solchen romantischen Quatsch auch nicht schreiben – es sei denn, man will sich selbst eine tolle Aura verpassen.

Was mich an dieser Art des Auftretens nervt, ist die vollkommen sinnfreie Aneinanderreihung angelesener, zusammengesammelter Fakten, ohne eigenen Bezug und ohne jeden Nutzen für den Leser, einzig & allein um scheinbares Wissen zu demonstrieren. Cramby zelebriert sich schon im Vorwort als Grill-Zen-Meister, kann uns dann trotz Erwähnung auf dem Buchdeckel und sogar jeweils eigener Kapitel aber nicht einmal den Unterschied zwischen Yakitori, Ykiniku, Izakaya sowie zwischen Koreanischem und Japanischem Barbecue erklären…

Ich wette, 80..90% aller Leser wissen nicht was ein A5-Steak ist und damit haben sie auch nichts versäumt – unser Autor aber plappert so selbstverständlich darüber, als hätte er jeden Tag damit zu tun… Nein hat er nicht, er hat es sich für dieses Buch angelesen und tut nun so als ob… das ist doch nur peinlich!

Auf Seite 61 gibt uns Cramby „wertvolle“ Tipps zum Schneiden von Fleisch – sogar mit Skizze! ‚Dicke Stücke schneiden Sie gerade herunter, möglichst in einem Zug’. Aha – und dünne Stücke? Direkt daneben: ‚Dünne Stücke schneiden Sie gerade herunter, möglichst in einem Zug’…

Auf Seite 86 schreibt Cramby ziemlich überflüssiges Zeug über die tolle Japanische Holzkohle und verweist zu deren Bezug auf Seite 172, wo dann aber nichts dazu steht, lediglich ein Verweis auf Seite 46 auf der es dann aber nur ausgiebig um Messer geht… Messer spielen bei der Zubereitung seiner Rezepte aber gar keine besondere Rolle… Und so geht es durch das ganze Buch…

Warum mir dieses Buch dennoch gefällt? Weil die Japanische Art des Grillierens so spartanisch ist, so bodenständig & simpel, so reduziert auf das Wesentliche, weil ich dieses Reduzieren immer stärker anstrebe und weil ich dazu in diesem Buch eine ganze Menge Ideen & Anregungen finde – ich muss nur genau hinsehen. Wie einst die Asiaten.

 

Gebunden, 176 Seiten
Hädecke Verlag, März 2018
ISBN 978-3775007825

Papier 26,- Euro